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10/11 Mai 2003 - Deutsche Vereinsmeisterschaft, Oschersleben II


Am 10./11. Mai wurde in Oschersleben bei Magdeburg erstmals eine "Deutsche Vereins Go-Meisterschaft" ausgetragen. 9 Teams bewarben sich um den Titel, aus nahe liegenden Gründen überwiegend aus den neuen Bundesländern, aber auch 2 Teams aus Braunschweig wollten mitmischen und 2 aus Bayern, das "30-Kronen"- Team aus Bayreuth und das Team von "Bayern München". Wir Münchner hatten am Freitag eine schrecklich lange Anreise (Staus und Wolkenbrüche). Am Ende wunderten wir uns, wie oft man sich in einer Kleinstadt mit etwa 15000 Einwohnern verfahren kann, aber irgendwann ließ es sich einfach nicht mehr vermeiden, Olaf Salchow in die Arme zu laufen, der uns schon 1 Stunde in ganz Oschersleben und Umgebung gesucht hatte. Erleichterung über die glückliche Ankunft, Freude über die herzliche Begrüßung durch Olaf und Staunen über die weitläufige und schön gestaltete Anlage der "Werkstatt für Behinderte", dem Turnierort. Der Mannschaftsführer von Bayern München, Norbert Jendrusch, hatte Aufstellungsprobleme (Verletzungspech? oder Spielsperren?) und musste neben Peter Marx und Konstantin Simkin auf mich zurückgreifen. Meine Stärken liegen bekanntermaßen vor allem im Besitz eines PKW und in der Fähigkeit, mit diesem umzugehen. Aber auch in der Fußballabteilung des Vereins soll es ja den ein oder anderen Spieler geben, der nicht in München geboren wurde ... Gottlob gab es keine Proteste wegen meiner Spielberechtigung. (Nach dem Turnier hätte ich sie mir angesichts meines Spielergebnisses eher gewünscht.)

Die Spannung stieg, bis der Turnierleiter Guido Tautorat recht pünktlich den Start freigab für die erste Runde. Es gab natürlich keine Favoriten, beim Spiel mit der vollen Vorgabe (auch über 9 Steine hinaus) hing viel von der Tagesform ab. Als manche Kämpfer feststellten, dass sie u. U. 14 Steine Vorgabe gewähren mussten, legte sich manch jugendliche Stirn in Falten. Bayern München traf in der 1. Runde auf das Team aus Magedeburg, der Vergleich endete 2:2. Die Mannschaft zeigte auch in den folgenden Runden gegen Jena und Straussberg eine konstante Leistung und kam mit ihrer konsequenten Spielweise zu 2 weiteren Unentschieden. Die 4. Runde brachte den Bruderkampf mit den Bayreuthern, in denen die Bayern mit 0 : 4 arg unter die Räder kamen. Bayreuth hätte in der Schlußrunde ein Remis zum Gewinn der Meisterschaft gereicht, aber die "30-Kronen" waren wohl in der Begegnung mit Bayern München über ihre Leistungsgrenze gegangen und erlitten eine 0 : 4 - Schlappe gegen Magdeburg, das sich somit als erster Verein "Deutscher Meister" nennen darf. Bayern München blieb der Trost, gegen den Titelträger immerhin ein Remis erreicht zu haben, und die Einsicht, dass Bayern München eben nicht alles gewinnen kann. Die 5. Runde bescherte den Bayern dann den ersten doppelten Punktgewinn durch ein Freilos. Wir waren über diesen Gewinn sehr zufrieden, weil wir so zeitiger aufbrechen konnten und unterwegs im beeindruckenden Stift von Naumburg den Go-Göttern für ein schönes Turnier-und Wochenenderlebnis danken konnten. Die Ergebnisse im einzelnen: Norbert Jendrusch 2 Siege aus 4 Partien, Peter Marx 2, Karl Scheitler 1 Sieg, ebenso Konstantin Simkin. Norbert gab zu, dass es vor allem die Spieler auf den hinteren Brettern wegen der teils hohen Vorgaben schwer hatten. Die Idee eines Vereins-Turniers fand einhellige Zustimmung, und gerade für noch spielschwächere Spieler erbrachte es das stolze Gefühl, für die Mannschaft von besonderer Wichtigkeit zu sein. Ein großer Dank gebührt den Veranstaltern für die Wahl des Turnierortes . Die Atmosphäre dort und die freundliche Verpflegung waren großartig. Mir scheint, der Turnierort würde sich gerade für ein größeres Jugendturnier anbieten !!! Die freundschaftliche Stimmung wurde auch durch einen Vorfall in der 3. Runde nicht wirklich getrübt. Bernd Gramlich lag in seiner Partie gegen Gerd Eckert aussichtslos zurück Doch anstatt die Partie aufzugeben, reklamierte er auf Gewinn wegen eines Regelverstoßes seines Gegners. Gerd hatte mit einem Zug mehrere Steine von Bernd gefangen und nahm auch die Steine vom Brett, übersah aber, 2 andere Steine, die durch den gleichen Zug gefangen waren, auch herauszunehmen. Hartnäckig beharrte Bernd auf Anwendung der Regeln, berief sich auf Regel-Robert und stimmte erst nach langen Verhandlungen Guidos salomonischem Urteil zu: Gerd erhielt eine offizielle Verwarnung wegen Regelverstoßes, durfte seinen Zug durch Herausnahme der beiden Steine beenden, und Bernd gab dann die Partie auf. Bernd löste allenthalben, auch bei seiner Mannschaft (die den Kampf insgesamt ohnehin gewonnen hatte) Verwunderung aus. Nun kenne ich Bernd als sympathischen Mitmenschen und sportlichen Spieler selber gut genug und kann auch seinem Anliegen einer sauberen und konsequenten Beachtung der geltenden Regeln folgen. Trotzdem stellen sich mir einige Fragen. Kann es in Ordnung gehen, den Ausgang einer Partie durch Berufung auf Regelanwendungen umdrehen zu wollen? Die Spielsituation war ohne Bemühungen von Regeln, einfach durch Hinweis an Gerd, ohne weiteres zu bereinigen. Gibt es eine Regel, die die missbräuchliche Berufung auf Regeln unterbindet (z.B. §3 Abs. 2 der Turnierordnung)? Ist es in Ordnung, unnötig (wie ich meine) den Turnierleiter zu bemühen (in dem Fall der byoyomi-geplagte Guido), wo wie hier ganz einfach beide Spieler die fragliche Situation allein klären und handeln konnten? Bei überzogener Regelstrapazierung - landen wir dann nicht am Ende bei den Manieren der Schachspieler? Nocheinmal: die Situation hier war zwischen den beiden Spielern überhaupt nicht strittig. Warum genügte es nicht, den Gerd einfach darauf hinzuweisen, auch die beiden anderen Steine herauszunehmen? Soll die Anwendung von Regeln zum Selbstzweck werden, ohne auf den Sinn und die Idee, die dahinter stehen, zu achten? Dann hätten wir z.B. - als Erinnerung an den Religionsunterricht vergangener Zeiten - eine Neuauflage des Konflikts "Gesetzlichkeit" vs. "Evangelium".

Das absolute Gipfelereignis aber war, dass dem armen Bernd das total gleiche in der 4. Runde gegen Peter Marx noch ein mal widerfuhr. Diesmal verzichtete der wieder bemühte Guido auf eine Verwarnung und ließ Peter den Fehler korrigieren. Ich saß am Brett neben Peter und hätte brüllen können vor Entzücken. ... und ich würde keine Wette eingehen wollen, ob Peter die Situation nicht vielleicht mit ironischer Absicht herbeiführte, auch wenn er das mir gegenüber energisch dementierte. So wie er auch dementierte, dass er darnach die Partie mit Absicht aus der Hand gab (die vor diesem "Eclat" für ihn sehr aussichtsreich stand).

Aber wie gesagt: die Kontroversen konnten dem vollen Erfolg, den die Veranstalter mit ihrem Turnier hatten, nichts anhaben.

(Karl Scheitler)

Karl schrieb seine Partie gegen Mario Sundhaus auf.

Ergebnisliste