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05/06 April 2003 - Münchner Bierseidl und Bayerische Meisterschaft
 

Mitten im tiefsten Winter trifft sich ein
unerschrockenes Häuflein altbewährter Turnierrecken bei mir, um das nächste
Münchner Turnier vorzubereiten. Freiwillige für die zahlreichen Aufgaben
(Materialtransport, Anmietung der Räume, "Catering", Turnierleitung,
Unterbringung, Erstellen der Web-Site, Voranmeldung) werden gesucht und gefunden, denn entgegen anders lautender
Gerüchte fallen erfolgreiche Turniere
nicht vom Himmel. Hier noch mal ein Dank an alle, die mitgeholfen haben.
Natürlich läuft nicht alles glatt. So heben beim Thema Nachfragen, wer wie
viele Gäste unterbringen kann fast alle die Hand und prompt stellt sich eine
Woche vor dem Turnier heraus, dass sich niemand zuständig gefühlt hatte. Doch
zu guter Letzt hat sich für jeden Auswärtigen ein Schlafplatz gefunden.
Dass Go momentan im Aufwind liegt, ging auch
dem Bierseidel Turnier nicht spurlos vorüber. 82 Teilnehmer im Hauptturnier und
immerhin 6 "New Stars" im 13x13 Turnier sind rekordverdächtige Zahlen. Die
parallel stattfindende Delegiertenversammlung mag auch das ihre dazu
beigetragen haben, trotz der Bayerischen Meisterschaft sind allerdings viele
heimische Hochdans nicht angetreten. Leider war auch der Titelverteidiger Martin
Bergmann verhindert.
Fünf Runden lang rauchten dann die Köpfe,
wurde erbittert um jeden Punkt gekämpft (und großzügig zehn im nächsten Zug
verschenkt), jagte ein Tesuji das nächste, Tote feierten gleich gruppenweise Auferstehung
(Ostern ließ grüssen) und verschieden erneut, die Kreislaufwerte der
Byoyomi-Kämpfer erreichten den kritischen Bereich (wie werde ich nur 5 Steine
in ebenso vielen Sekunden los?),es wurden gloriose Siege erstritten und
unglückliche und unverdiente Niederlagen mussten verkraftet werden. Stärkster
Spieler (5D) und damit Favorit Martin Li aus Schweden stolperte dummerweise gleich
in der ersten Runde über Michael Marz, ließ sich danach aber die Butter nicht
mehr vom Brot nehmen und gewann alle anderen Partien. Ich hatte das Pferd andersherum
aufgezäumt, und musste nach vier Siegen in der letzten Runde gegen Martin Li
schließlich das Handtuch werfen.
Damit gab es vorne zwei Teilnehmer, die 4:1
gespielt hatten, und die Zweitwertung musste entscheiden. Doch siehe da: auch
gleich! Und in der Drittwertung hatte Martin Li dann die Nase vorn und wurde
unter viel Beifall zum Turniersieger gekürt. Mir blieb neben Patz zwei immerhin
der Titel des Bayerischen Meisters. Und Dritter wurde mit dreieinhalb Punkten
(er musste wegen der Delegiertenversammlung eine Runde aussetzen) Thomas
Kettenring.
Montagmorgen bekomme ich dann einen Anruf von
Hans Schnabel, dem Turnierleiter: Sie hätten ein Ergebnis falsch eingetragen,
ich sei doch Turniersieger. Damit haben wir wohl auch für ein Novum in der
Geschichte des Gos gesorgt: Das Küren des falschen Siegers. Aber sei´s drum,
gefreut habe ich mich trotzdem.
Aber vergessen wir nicht die anderen Sieger,
vor allem die überragende Linh Nguyen (24k), die als einzige 5:0 gespielt hat.
Tolle Leistung! Gleich ein halbes Dutzend weiterer Spieler schaffte es mit 4:1
abzuschließen: Michael Drewing (20k), Tobias Hößl (14k), Victor Volle (9k),
Andreas Basler (2k), Hans Kostka (1d) und Wolfgang Werner (2d).
Bei den mit MacMahon nicht vertrauten
Turnierneulingen sorgte die Ergebnisliste noch für Unmut: Dass ein 3d, der alle
seine Partien verloren hat, trotzdem eine bessere Position erreicht, als
beispielsweise ein 20k, der vier Siege errungen hat, war nur schwer zu
vermitteln. Da stand eben das kalte mathematische Modell gegen heißes
Gerechtigkeitsgefühl!
Ich hoffe aber, dass unser Turnier allen
Teilnehmern Spaß gemacht hat und viele nächstes Jahr wiederkommen werden. Dann
peilen wir für der Teilnehmerzahl die 100er Grenze an.
(Norbert Jendrusch)
Partie Norbert Jendrusch - Michael Marz, kommentiert von Norbert
• Ergebnisliste
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