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Jahresbericht 2003/4 des Vorstands des Bayerischen Go-Vereins e. V.


1. Anton Steininger verstorben
Am 15. März 2003 verstarb im Alter von 70 Jahren Anton Steininger, der jahrelang einer der engagiertesten ehrenamtlich Aktiven im österreichischen, europäischen und weltweiten Go gewesen war. Er war in fast allen europäischen Go-Verbänden Mitglied. Zum BGoV hatte er durch die räumliche Nähe eine besonders enge Verbundenheit und war in den letzten Jahren häufiger Teilnehmer an den Mitgliederversammlungen, wo sein fundierter Rat, seine langjährige Erfahrung und seine Herzlichkeit sehr geschätzt wurden. Der BGoV wird Toni sehr vermissen.

2. Mitgliederentwicklung
2003 war das mit Spannung erwartete Hikaru-Jahr. Das japanische Erfolgsmanga um einen Buben, der Go vom Geist eines legendären Spielers lernt, erschien endlich als Fortsetzungsgeschichte auf deutsch. Manche Gospieler hatten heimlich gehofft, daß sich die Spielerzahl durch Hikaru im Nu vervielfachen würde. Ganz so groß war der Effekt des Mangas natürlich nicht, aber dennoch spürbar. In München und quer über Bayern hinweg gab es etliche Neubeitritte von jungen Leuten, die offenbar über Hikaru zu Go gefunden hatten. Weiterer Mitgliederzuwachs ist auf die engagierte Arbeit der Aktiven in den Spielabenden zurückzuführen. Führend unter den Neubeitritten ist dabei die Schulgruppe in Erding, gefolgt von den Räumen Regensburg, Bayreuth und Nürnberg. Neue Spielabende konnten in Landshut (durch Mithilfe der Erdinger Aktiven) und in Übersee am Chiemsee (durch Eigeninitiative örtlicher Schüler) gegründet werden. Ein regelmäßiger neuer Spieltreff in Bamberg ist hingegen immer noch nicht zustandegekommen, weil die Zahl der Aktiven zu klein ist. Insgesamt stieg die Mitgliederzahl des BGoV zwischen Jahresanfang und -ende 2003 von 205 auf 227. Das war ein Zuwachs von beachtlichen 12%. Mindestens 10% Zuwachs sollte sich der BGoV auch für 2004 und die Folgejahre als Ziel vornehmen. Das ist nicht unrealistisch, weil Go zur Zeit dank Präsenz in vielen Medien und dank aktiver Spielabende stark im Aufschwung ist und es hoffentlich auch lange bleiben wird. Aktuell beträgt die Mitgliederzahl des BGoV schon 240.

3. Turnieraktivitäten
2003 fanden in Bayern sechs große Wochenendturniere in Erding, Erlangen, München, Bayreuth, Augsburg und Regensburg statt. Die Teilnehmerzahlen waren dabei generell leicht steigend. Vor allem die beiden Turniere im Großraum München stellen durch besonders rege Beteiligung für die örtlichen Organisatoren und für den BGoV eine Herausforderung dar. Das Spielmaterial des BGoV, das aus dem mobilen Turniermaterial (20 Sätze) und den Beständen der örtlichen Spielabende besteht, ist zwar noch knapp ausreichend, aber bei Uhren herrscht im Moment ein Mangel, der durch Leihgaben von Schachvereinen und anderen Landesverbänden ausgeglichen werden muß. Ziel für 2004 und 2005 ist daher, nicht nur das mobile Turniermaterial, sondern auch die Münchener Bestände mit genügend neuen Uhren auszustatten. In Bayern fanden 2003/4 außerdem zwei Turniere des Deutschen Go-Bundes (DGoB) statt: zum einen die Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft, welche die Bayreuther Gruppe unter Kai Meemken organisierte, zum anderen die Deutsche Jugendmeisterschaft, welche die Münchener Gruppe unter Karl Scheitler veranstaltete. Außerdem war ebenfalls in München auch die Delegiertenversammlung 2003 zu Gast, um die sich Hans Schnabel kümmerte, so daß der BGoV seine Aufgaben im DGoB überdurchschnittlich erfüllt hat. Als Turnieraktivität auf örtlicher Ebene gab es einen Städtevergleich zwischen Ingolstadt und München und im Internet einen ähnlichen Vergleichskampf zwischen München und Moskau. Beide Veranstaltungen dienten dem wechselseitigen Kennenlernen und dem Mannschaftsgeist der jeweiligen Spielgruppen. Außerdem fanden 2003 in Bayreuth wieder die jährlichen drei Spielabendturniere mitten in der Woche statt, deren Ziel vor allem ist, den Spielern der unmittelbaren Umgebung das Turnierleben ein bisschen näherzubringen. Die Nürnberger Gruppe unter Horst Karl gründete eine zweistufige Spielabendliga und war damit sehr erfolgreich, weil dadurch viele Gelegenheitsspieler motiviert wurden, häufiger zum Spielabend zu kommen. Die Partien werden jeder gegen jeden mit Vorgabe über viele Wochen hinweg gespielt. Aufgrund des großen Zuspruchs erwägen die Nürnberger sogar, parallel zur Liga einen Pokalwettbewerb im KO-System auszutragen, zu dem auch die Nachbarspielabende eingeladen wären. Schließlich hatten die Münchener Spielgruppen zweimal hohen ausländischen Besuch. Im August 2003 war eine Gruppe koreanischer Spitzenamateure zu Gast, die zuvor bei der Europameisterschaft teilgenommen hatten und nun auf Besichtigungsurlaub waren. Im März 2004 kam eine ähnlich große Gruppe japanischer Profis und Amateure. Die Asiaten gewannen dadurch einen kleinen Eindruck vom Goleben in Europa.

4. Werbeveranstaltungen
Der BGoV fördert jährlich mehrerere Veranstaltungen örtlicher Spielgruppen, die Go einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren, in der Hoffnung, dadurch neue Interessenten und Spieler zu gewinnen. 2003 fanden zwei schon fast Tradition gewordene Präsentationen in München statt: Zum einen das Japanfest, das im Sommer im Englischen gefeiert wurde. Der dortige Auftritt inmitten vieler anderer japanischer Künste wurde von Joachim Bitzer vorbereitet und von Götz Radke vor Ort organisiert. Zum anderen die Spielwies'n, die als Messe im Spätherbst im Deutschen Museum gastierte. Dort leitete Philip Hiller den Gostand inmitten zahlreicher weiterer, kommerzieller Spielanbieter. Das Publikum war jeweils neugierig und begeistert und spielte gern ein paar Partien gegen die vielen freiwilligen Helfer. 2004 wird zusätzlich zu den Münchener Veranstaltungen auch noch ein Japanfest in Nürnberg stattfinden. Da das Fest dort in einer Einkaufspassage abgehalten wird, entfallen die Kosten für ein eigenes Zelt, was die Finanzierung seitens des BGoV sehr leicht macht. Eine besonders wichtige Zielgruppe für Gowerbung sind die Schüler der Grundschulen und der unteren Klassen von weiterführenden Schulen. Hier wirbt der BGoV, indem er die japanische Profispielerin Shigeno Yuki einlädt, jeweils eine Doppelstunde lang Unterricht in Schulklassen zu geben. 2003 war Yuki sogar zweimal in Bayern unterwegs. Im Februar besuchte sie Erding, Augsburg und Regensburg, während sie im September in Augsburg, Ingolstadt, München und Bayreuth zu Gast war. Die Werbewirkung von Yukis Reisen ist dort besonders nachhaltig, wo nach ihrem Besuch auch ein dauerhafter Gokurs an den Schulen angeboten werden kann. Erfolgreiche derartige Kurse gibt es derzeit in Augsburg seitens von Maria Bez und seit Jahren in Erding seitens von Karl Scheitler.

5. Fortbildung
Der BGoV will künftig ein paar kleine Projekte zur Förderung seiner starken Spieler finanzieren. Gedacht ist zunächst an ein jährliches Abendseminar für Danspieler mit Shigeno Yuki. Ein solches fand im September 2003 in München statt und war sowohl für Yuki als auch für die Zuhörer etwas völlig Neues. Trotzdem war die Resonanz der Teilnehmer überwiegend positiv. Yuki spielte simultan mehrere Eröffnungen an, die sie dann im einzelnen am Demonstrationsbrett besprach.

6. Sportliche Erfolge
Die Bayerische Meisterschaft wird jährlich auf einem anderen der bayerischen Wochenendturniere ausgetragen. 2003 fand sie in München statt und wurde überragend von Norbert Jendrusch gewonnen. 2004 in Erlangen schwächelten die favorisierten Spitzenspieler ein bißchen oder spielten gar nicht erst mit, so daß Claus Pitschka an ihnen vorbeizog und sich zum ersten Mal den Titel sicherte. Bei deutschlandweiten Wettbewerben waren bayerische Teilnehmer vor allem im Breitensportbereich erfolgreich. So gab es jeweils dritte Plätze für die Bayreuther Mannschaft bei der Vereinsmeisterschaft 2003, für das Erdinger Gymnasium bei der Schulmeisterschaft 2003 und für Konstantin Simkin bei der Jugendmeisterschaft 2004. Konstantin errang zusätzlich noch einen zweiten Platz im Deutschlandpokal 2003. Im Spitzensportbereich erreichte Jonas Fincke 2004 einen großen Erfolg, indem er sich als Vierter der Vorrunde für die Endrunde der Deutschen Meisterschaft qualifizierte, die im zweiten Halbjahr stattfinden wird. Dadurch ist erstmals seit 2000 wieder ein Spieler des BGoV unter den besten Acht in Deutschland. 2003 wäre es auch beinahe soweit gekommen, aber leider scheiterte die Sache an Regelstreitereien mit dem DGoB: Zhang Gefei war Siebter der Vorrunde 2003 geworden und damit eigentlich knapp an der Qualifikation für die Endrunde gescheitert. Er wurde dann jedoch als Nachrücker nominiert, als Benjamin Teuber aus Hamburg seine Teilnahme aufgrund eines einjährigen Japanaufenthaltes abgesagte. Ärger entstand, als Benjamin seine Absage kurzfristig wieder zurückzog, nachdem Gefei sich schon gründlich auf die Endrunde vorbereitet hatte. Der Vorstand des DGoB akzeptierte entgegen allen Regeln diese Rücknahme der Absage, obwohl der BGoV in Gefeis Namen gegen diese Entscheidung protestierte. Gefei nahm sich die Sache sehr zu Herzen und trat aus dem BGoV aus, wodurch einer der stärksten bayerischen Aktiven als Mitglied verlorenging. Der BGoV beabsichtigt, dem Vorstand des DGoB auf der nächsten Delegiertenversammlung wegen dieser fragwürdigen Entscheidung nachträglich noch einmal eine Rüge erteilen zu lassen.

7. Jugendförderung
Das große Thema der Mitgliederversammlung 2003 war die Förderung der bayerischen Jugendlichen und deren Finanzierung. Als besonders teures, aber auch wertvolles Projekt steht hier die jährliche Reise bayerischer Jugendlicher zur Jugend-Europameisterschaft im Mittelpunkt. Diese EM ist ein offenes Turnier, an dem Jugendliche aller Spielstärken teilnehmen können. 2003 schickte der BGoV 17 Teilnehmer zur EM nach Cannes (Frankreich). Die Förderung pro Kopf betrug 50 Euro, was den regulären Haushalt sehr belastete. Zur EM 2004 nach Köln wird der BGoV 12 Teilnehmer unterstützen und mit jeweils 30 Euro fördern. Die Mittel hierfür stammen aus dem Spendenaufruf 2003, auf den zahlreiche Mitglieder des BGoV mit großzügigen Beträgen reagierten. Diese Reise zur EM wird schon seit 2002 von Karl Scheitler organisiert und geleitet. Für die Jugendlichen ist sie ein großartiges und motivierendes Erlebnis, weil sie über Go anderen Leuten aus ganz Europa nähergekommen, mit denen sie sich sprachlich nur wenig verständigen können. Ein bißchen umstritten ist allerdings, ab welcher Spielstärke es sinnvoll ist, die Jugendlichen zur EM mitzunehmen. Die freiwilligen Spenden, welche die EM-Reise ermöglichten, gingen im letzten Jahr direkt an den BGoV, der leider vom Finanzamt nicht als gemeinnützig anerkannt ist. Um diesem Mißstand abzuhelfen, beteiligte sich der BGoV im Januar 2004 an der Gründung eines neuen, deutschlandweiten Vereins "go4school e. V.", dessen Zielsetzung die Förderung von Jugendprojekten im Go ist und der auch tatsächlich unmittelbar nach seiner Gründung gemeinnützig wurde. Der BGoV will diesem Verein beitreten und den BGoV-Mitgliedern empfehlen, etwaige künftige Spenden an "go4school" mit Verwendungszweck "Jugendförderung in Bayern" zu richten. Auf eine weitere Geldquelle für Jugendprojekte wurde der BGoV durch Hans Kostka aufmerksam gemacht, der Schatzmeister des Europäischen Go-Bunds (EGF) ist. Die EGF verwaltet hohe Geldbeträge der Ingstiftung, die für Jugendturniere und Lehrprogramme gedacht sind. Aus diesem Fonds wurden nachträglich die letztjährigen Reisen von Yuki durch Bayern größtenteils finanziert, und auch künftige derartige Reisekosten können auf diese Weise abgedeckt werden. Da zudem die Mitgliederzahl des BGoV im Steigen begriffen ist und für größere Finanzreserven sorgt, ist die Finanzierung aller Jugendprojekte auch ohne Beitragserhöhung aus den genannten drei Quellen gesichert: aus dem regulären Haushalt, aus vereinzelten Spenden über "go4school" und aus Zuschüssen seitens der Ingstiftung. Eine Beitragserhöhung nur zum Zwecke der Jugendförderung ist darum nicht nötig. Ein letztes, besonders interessantes Jugendprojekt wurde unlängst vom DGoB ins Leben gerufen. Der BGoV ist daran bisher weder finanziell noch organisatorisch beteiligt, sondern einfach nur Nutznießer: Die beiden Spitzenspieler Franz-Josef Dickhut und Benjamin Teuber unterrichten ausgewählte deutsche Jugendliche im Internet und lassen sie in einer zweistufigen Liga regelmäßig untereinander spielen. Fünf der insgesamt vierzehn Teilnehmer an diesem "Insei-Programm" stammen aus Bayern: Fabian Bambusch (Augsburg), Pascal Hitziger (Würzburg), Michael Kull, Kim Long Ta (beide Ingolstadt) sowie Konstantin Simkin (München). Den ersten Erfahrungen nach zu urteilen motiviert das Projekt die Teilnehmer sehr und bringt sie in der Spielstärke schrittweise voran. Es ist durchaus realistisch, daß daraus über Bayern verteilt etliche junge Spitzenspieler heranwachsen.

8. Verwaltung und Personalia
Nachdem es im letzten Jahr in München zu einigen kleinlichen Meinungsverschiedenheiten darüber gekommen war, wer wessen E-Mailadresse kennen und benutzen darf, richtete der BGoV im Sommer 2003 kurzerhand eine Mailingliste für München ein, die auf Anhieb sehr erfolgreich war, den Streit schlichtete und für reibungslose und schnelle Kommunikation im Münchener Go sorgt. Eine ähnliche Mailingliste wird seit Jahren erfolgreich im Raum Erlangen betrieben. Eine ebenfalls neugegründete bayernweite Liste zeigt bisher noch wenig Resonanz. Personell hat der BGoV ein Amt neu besetzt und eines neu geschaffen. Michael Drewing übernahm im Sommer 2003 die Betreuung der Webseite des BGoV von Zhang Gefei, der viele Jahre lang großartige Arbeit geleistet hatte. Michaels neues Design ist sehr ansprechend, und er hofft darauf, daß die Spielabende und die Turnierbesucher ihn reichlich mit Berichten-und Bildern beliefern. Thomas Kettenring erklärte sich - obwohl selbst nicht Mitglied im BGoV - dazu bereit, bayerische Neulinge an das Spielen im Internet heranzuführen. Damit ist kein Gounterricht gemeint, sondern Rat beim Installieren der notwendigen Software und bei den ersten Schritten auf dem Spielserver bis hin zur ersten 9x9-Partie. Wenn also jemand in Bayern Rat sucht auf dem Weg zum Go im Internet, kann er sich an Thomas wenden. Ein Neumitglied aus der Nähe von Regensburg, Reiner Grootenhuis, wurde unmittelbar nach seinem Beitritt bereits Fachsekretär für Marketing im Deutschen Go-Bund und überrascht die deutsche Goszene derzeit durch zahlreiche neue Ideen, wie man das Spiel bekannter machen kann. Der BGoV ist jetzt schon stolz auf Reiners Beitrag zum deutschen Go. Die Regensburger Spielgruppe plant, künftig geschlossen einem Sportverein beizutreten, dessen Unterabteilung Go dann seinerseits Mitglied im BGoV werden soll. Laut Satzung des BGoV ist das möglich; die einzelnen Spieler hätten nach wie vor dieselben Rechte und Pflichten innerhalb des BGoV, aber zusätzlich die Vorteile der Mitgliedschaft in der örtlichen Sportgruppe (also Räumlichkeiten und Versicherungsschutz).

München, 24. April 2004

Bernd Gramlich
für den Vorstand des BGoV